Selbst die Goetter sind ihnen unterworfen. Am Fuss des Weltenbaums bestimmen drei Frauen, was war, was ist und was sein wird.
Ueber allem Goettergeschehen steht im Norden eine Macht, die selbst Odin nicht beugen kann: das Schicksal. Verkoerpert wird es durch die Nornen, drei Frauen, die am Urdbrunnen unter der Weltesche Yggdrasil wohnen.
Die Voeluspa nennt sie Urd, Verdandi und Skuld. Ihre Namen deutet man oft als „das Gewordene“, „das Werdende“ und „das, was werden soll“ – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie schoepfen Wasser aus dem Brunnen und begiessen damit die Wurzeln des Baumes, damit er nicht verdorrt.
„Von dort kommen Maegde, vielwissende, drei aus dem See, der unterm Wipfel steht.“Voeluspa, Uebertragung nach Karl Simrock (gemeinfrei)
Das Besondere am nordischen Schicksalsglauben ist seine Unerbittlichkeit: Auch die Goetter sind sterblich, auch ihr Ende – Ragnaroek – ist laengst gewoben. Diese Vorstellung gibt der ganzen Mythologie ihren ernsten, fast tragischen Grundton.
Die Quellen kennen ausser den drei grossen noch weitere Nornen, die bei der Geburt eines jeden Kindes erscheinen und ihm sein Los zuteilen – guten wie schlechten. Schicksal war im Norden nichts Fernes, sondern etwas, das jeden Menschen vom ersten Atemzug an begleitete.
Mehr ueber Yggdrasil und seine Brunnen liest du in unserem Beitrag zum Weltenbaum.