Das Ältere Futhark ist die älteste bekannte Runenreihe mit 24 Zeichen, geordnet in drei Aettir. Jede Rune trägt einen Namen, einen Lautwert und ein Sinnbild aus Natur, Mythos und Alltag.
Deutung. Fehu, die Vieh- und Goldrune, steht am Anfang des Futhark und spricht vom beweglichen Reichtum, der durch Fleiß und Umsicht wächst. Sie erinnert daran, dass Wohlstand erst im Teilen und Fließen seinen wahren Wert entfaltet – gehortetes Gold erkaltet. Heute lädt sie dich ein, dankbar wahrzunehmen, was dir Fülle schenkt, und großzügig weiterzugeben.
Name & Herkunft. Der Name bedeutet woertlich „Vieh“ – und damit beweglichen Besitz, Reichtum, Gold. In einer Zeit, in der Wohlstand in Rindern gemessen wurde, war Fehu schlicht die Rune des Vermoegens. Sprachlich verwandt ist sie mit dem deutschen Wort „Vieh“ und dem englischen „fee“ (Gebuehr).
Im Runengedicht. Das altenglische Runengedicht sagt: „Reichtum ist ein Trost fuer jeden Menschen – doch jeder soll ihn reichlich teilen, will er vor dem Herrn Ansehen gewinnen.“ Die altnordischen Gedichte betonen die Kehrseite: Geld saet oft Zwietracht unter Verwandten.
Historischer Gebrauch. Als erste Rune eroeffnet Fehu das Futhark und gab ihm sogar den Namen (F-U-Th-A-R-K). Sie steht am Anfang vieler Runenreihen auf Brakteaten und Steinen.
Wissenswertes. Schon die alten Gedichte mahnen: Wohlstand ist nur dann ein Segen, wenn man ihn nicht hortet, sondern teilt – ein erstaunlich moderner Gedanke.
Deutung. Uruz trägt die ungebändigte Kraft des Auerochsen, des wilden Urrinds der nordischen Wälder. Sie ist die Rune roher Lebensenergie, Gesundheit und Mut – die Aufforderung, deine eigene Stärke anzunehmen und Hindernissen standzuhalten, statt ihnen auszuweichen. Wo darfst du heute kraftvoller und entschlossener auftreten?
Name & Herkunft. „Ur“ ist der Auerochse, das gewaltige Wildrind, das bis in die fruehe Neuzeit durch Europas Waelder zog. Die Rune verkoerpert rohe, ungezaehmte Lebenskraft und Gesundheit.
Im Runengedicht. Das altenglische Gedicht beschreibt den „ur“ als mutiges, gehoerntes Tier, das wild ueber das Moor schreitet – ein Sinnbild ungebrochener Kraft. Im altnordischen Gedicht steht „ur“ dagegen fuer Nieselregen und Schlacke, ein Hinweis darauf, wie sehr sich die Deutungen regional unterschieden.
Historischer Gebrauch. Der Auerochse galt als Probe der Mannhaftigkeit; seine Hoerner wurden zu Trinkhoernern verarbeitet. Die Rune traegt diese Vorstellung von urtuemlicher Staerke weiter.
Wissenswertes. Der letzte bekannte Auerochse starb 1627 in Polen – das Tier hinter dieser Rune ist also tatsaechlich ausgestorben.
Deutung. Thurisaz ist der Dorn und der Thurse, eine rohe Kraft, die schützt und zugleich verletzen kann. Sie warnt vor Überstürzung und schlechtem Rat, ruft aber auch dazu auf, einer Bedrohung mit klarem Kopf zu begegnen. Halte inne, bevor du handelst – manche Tür sollte man prüfen, ehe man hindurchgeht.
Name & Herkunft. Der Name meint den „Thurs“, den Riesen oder Unhold – im Altenglischen wurde daraus „thorn“, der Dorn. Beide Bilder passen: eine Kraft, die von aussen sticht, schuetzt und zugleich gefaehrlich ist.
Im Runengedicht. Das altnordische Runengedicht warnt: „Thurs ist die Qual der Frauen und Bewohner der Felsen“ – die Rune wird mit den feindlichen Riesenmaechten verbunden. Das altenglische Gedicht betont den Dorn, der scharf ist und jedem schadet, der ihn anfasst.
Historischer Gebrauch. Thurisaz wird oft mit Thor und seinem Hammer in Verbindung gebracht, der die Riesen in Schach haelt – Schutz und Bedrohung in einem Zeichen.
Wissenswertes. In spaeteren Zauberanweisungen taucht die Thurs-Rune in Fluchformeln auf – sie galt als besonders maechtig und nicht ungefaehrlich.
Deutung. Ansuz ist Odins Atem, die Rune des Wortes, der Weisheit und der Eingebung. Sie kündigt eine Botschaft an – einen Rat, eine Erkenntnis, ein klärendes Gespräch – und erinnert daran, dass wahre Macht oft in der Sprache liegt. Höre heute genauer hin, was dir gesagt wird, und wähle deine eigenen Worte mit Bedacht.
Name & Herkunft. „Ass“ (altnord. Áss) ist der Gott – allen voran Odin. Ansuz ist die Rune des Wortes, des Atems, der Weisheit und der goettlichen Inspiration.
Im Runengedicht. Das altnordische Gedicht nennt „óss“ den Ahnvater und Fuersten Asgards – Odin selbst. Im altenglischen Gedicht ist „os“ der Mund, die Quelle der Sprache und Weisheit.
Historischer Gebrauch. Weil Odin die Runen errang, gilt Ansuz als die Rune der Runen schlechthin – des Wissens, das durch Sprache weitergegeben wird.
Wissenswertes. Sprache als goettliche Gabe: Diese Vorstellung verbindet die nordische Welt mit vielen anderen Kulturen, in denen am Anfang das Wort steht.
Deutung. Raidho ist der Ritt und die Reise, die Rune der Bewegung im rechten Maß und zur rechten Zeit. Sie spricht von Aufbruch, vom Weg, den du gehst, und vom Rhythmus, der zwischen Eile und Rast vermittelt. Vertraue darauf, dass der Weg selbst dich lehrt – jede Ankunft beginnt mit dem ersten Schritt.
Name & Herkunft. „Reið“ bedeutet Ritt, Wagen und Reise. Raidho ist die Rune der Bewegung, des Weges und des rechten Rhythmus.
Im Runengedicht. Das altenglische Gedicht bemerkt fein: Reiten ist im Saal leicht zu besprechen, doch sehr viel haerter, wer den langen Weg auf dem Pferderuecken wirklich zuruecklegen muss. Eine Mahnung, Reden und Tun nicht zu verwechseln.
Historischer Gebrauch. In einer Welt ohne Strassen war die Reise lebensgefaehrlich und bedeutungsvoll; Raidho stand fuer Aufbruch, Pilgerschaft und auch die Reise der Sonne ueber den Himmel.
Wissenswertes. Manche deuten Raidho auch als kosmische Ordnung – den geregelten Lauf der Gestirne, nach dem sich das ganze Jahr richtet.
Deutung. Kenaz ist die Fackel im Dunkeln, die Rune der Erkenntnis, des Handwerks und der schöpferischen Flamme. Sie schenkt Klarheit, Können und die Fähigkeit, Neues ins Leben zu rufen. Heute brennt ein Licht für dich – nutze es, um zu lernen, zu gestalten und Verborgenes sichtbar zu machen.
Name & Herkunft. Im Altenglischen ist „cen“ die Fackel, der Kienspan – Licht im Dunkeln. Im Altnordischen klingt „kaun“ an, das Geschwuer. Aus diesem Spannungsfeld entsteht die Bedeutung: Erkenntnis, Koennen, schoepferische Hitze, aber auch das, was schmerzt und brennt.
Im Runengedicht. Das altenglische Gedicht beschreibt die Fackel als lebendiges Feuer, das dort hell brennt, wo die Edlen beisammensitzen.
Historischer Gebrauch. Kenaz wird mit Handwerk und Schmiedekunst verbunden – mit dem Feuer, das Metall formt und Wissen sichtbar macht. Fuer eine Gravur-Manufaktur eine besonders schoene Rune.
Wissenswertes. Dasselbe Wort steckt im englischen „ken“ (kennen, wissen) und im deutschen „kennen“ – Licht und Erkenntnis liegen sprachlich dicht beieinander.
Deutung. Gebo ist die Gabe, das einfache Kreuz des Schenkens und Empfangens. Sie steht für Großzügigkeit, Partnerschaft und den Bund, der auf Gegenseitigkeit ruht – Geben und Nehmen im Gleichgewicht. Wahre Verbindung entsteht dort, wo beide Seiten frei geben; achte heute auf dieses Gleichmaß.
Name & Herkunft. „Gebo“ ist die Gabe, das Geschenk. Die Rune hat die Form eines Kreuzes (X) – ein Zeichen des Gebens und Nehmens auf Gegenseitigkeit.
Im Runengedicht. Das altenglische Gedicht lobt die Freigebigkeit: Eine Gabe bringt dem Menschen Ansehen und Ehre und hilft dem, der sonst nichts haette.
Historischer Gebrauch. Geschenke besiegelten in der Wikingerzeit Buendnisse, Gastfreundschaft und Treue. Wer gab, verpflichtete – und schuf Bindung. Gebo gehoert nur zum aelteren Futhark und fehlt in der spaeteren Wikingerreihe.
Wissenswertes. Das altnordische Ideal lautete: „Gabe verlangt stets Vergeltung.“ Schenken war kein selbstloser Akt, sondern ein Band, das Menschen aneinander knuepfte.
Deutung. Wunjo ist die Wonne, die Rune der Freude, Harmonie und Erfüllung. Sie kündigt an, dass ein Wunsch reift und dass Eintracht und Zugehörigkeit dich tragen. Lass heute zu, dich am Schönen zu freuen, und teile dieses Glück mit denen, die dir nahe sind.
Name & Herkunft. „Wunjo“ ist die Wonne, die Freude, die Eintracht – sprachlich verwandt mit dem deutschen „Wonne“ und dem englischen „win“. Sie steht fuer Gluecksgefuehl und Harmonie in der Gemeinschaft.
Im Runengedicht. Das altenglische Gedicht sagt sinngemaess: Freude geniesst, wer wenig Sorge, Schmerz und Kummer kennt und in Wohlstand und Geborgenheit lebt.
Historischer Gebrauch. Wunjo schliesst die erste der drei Achtergruppen (Freyrs Aett) ab – ein versoehnlicher Abschluss nach Kraft, Schutz und Reise.
Wissenswertes. Wie Gebo gehoert auch Wunjo nur zum aelteren Futhark; in der 16er-Reihe der Wikingerzeit ist sie nicht mehr enthalten.
Deutung. Hagalaz ist der Hagel, der unerwartet vom Himmel fällt – eine Rune des plötzlichen Umbruchs und der Prüfung. Doch der Hagel schmilzt zu Wasser, das nährt: Was jetzt aufbricht, klärt sich und schafft Raum für Neues. Begegne dem Wandel mit Gelassenheit, denn er hat seinen Sinn.
Name & Herkunft. „Hagall“ ist der Hagel – das Korn aus Eis, das vom Himmel faellt. Hagalaz eroeffnet die zweite Achtergruppe und steht fuer ploetzlichen Umbruch und die rauen Kraefte der Natur.
Im Runengedicht. Das altnordische Gedicht nennt den Hagel „das kaelteste Korn“. Das altenglische ergaenzt das Bild: Hagel ist weiss, rollt vom Himmel, wird vom Wind getrieben – und verwandelt sich am Ende in Wasser.
Historischer Gebrauch. Hagel zerstoert die Ernte in Minuten – doch das Eis schmilzt und wird zu Wasser, das neues Wachstum naehrt. Hagalaz traegt diesen Doppelsinn von Zerstoerung und Verwandlung.
Wissenswertes. In manchen Ordnungen gilt Hagalaz als „Mutterrune“, aus deren Form sich gedanklich die uebrigen Runen ableiten lassen.
Deutung. Nauthiz ist die Not, der Zwang, aber auch der Wille, der an ihm wächst. Sie lehrt Geduld und Selbstgenügsamkeit und erinnert daran, dass aus Mangel oft die größte Kraft erwächst. Frage dich, was diese Herausforderung dir beibringen will – und welche innere Stärke sie in dir weckt.
Name & Herkunft. „Nauðr/Nyd“ ist die Not, der Zwang, die Bedraengnis. Doch in der Not liegt auch der Wille, sie zu ueberwinden.
Im Runengedicht. Das altenglische Gedicht sagt: Not drueckt schwer auf die Brust – doch wird sie den Menschenkindern oft zur Hilfe und Rettung, wenn man sie rechtzeitig beachtet.
Historischer Gebrauch. Die Not-Rune galt als kraftvoll in der Abwehr; sie steht fuer das Reibholz, an dem das Notfeuer entzuendet wird – aus Mangel entsteht durch Anstrengung das rettende Feuer.
Wissenswertes. Das Bild ist eindringlich: Erst der Druck (das Reiben zweier Hoelzer) bringt den Funken hervor. Not als Geburtshelfer der Kraft.
Deutung. Isa ist das Eis, die Rune des Stillstands, der Ruhe und der Klarheit, die nur im Innehalten entsteht. Sie rät, nichts zu erzwingen, sondern den rechten Augenblick abzuwarten – manchmal ist das Warten selbst die Tat. In der Stille findest du heute, was Hast verbirgt.
Name & Herkunft. „Is/Íss“ ist das Eis. Eine einzige senkrechte Linie – die kaelteste, stillste, klarste der Runen.
Im Runengedicht. Das altnordische Gedicht nennt das Eis „die breite Bruecke“; das altenglische beschreibt es als kalt, glatt und glasklar, schoen anzusehen wie ein Edelstein, ein Boden aus Frost.
Historischer Gebrauch. Gefrorene Fluesse wurden im Winter zu Wegen und Bruecken – das Eis verband, was sonst trennte. Zugleich steht Isa fuer Stillstand und Erstarrung.
Wissenswertes. Isa ist die einfachste aller Runenformen: ein einziger senkrechter Stab. Stille in Reinform.
Deutung. Jera ist das gute Jahr, die Rune der Ernte und des natürlichen Kreislaufs. Sie verspricht den Lohn beständiger Mühe – was du gesät hast, reift heran, wenn du dem Lauf der Dinge Zeit lässt. Gutes braucht seine Zeit; heute darfst du auf die Frucht deiner Geduld vertrauen.
Name & Herkunft. „Jera/Ger“ ist das (gute) Jahr, die Ernte, der Kreislauf der Jahreszeiten. Verwandt mit dem deutschen „Jahr“.
Im Runengedicht. Das altenglische Gedicht sagt: Das Jahr (die Ernte) ist die Freude der Menschen, wenn Gott die Erde ihre Fruechte hervorbringen laesst – fuer Reiche wie fuer Arme.
Historischer Gebrauch. Jera verkoerpert die Belohnung fuer geduldige Arbeit: gesaet im Fruehjahr, geerntet im Herbst. Ihre Form mit den zwei ineinandergreifenden Teilen bildet den ewigen Wechsel der Jahreszeiten ab.
Wissenswertes. Keine andere Rune ist so sehr ein Versprechen: Was du im rechten Mass tust, traegt zu seiner Zeit Frucht.
Deutung. Eihwaz ist die Eibe, der immergrüne Weltenbaum, der Anfang und Ende verbindet. Sie steht für Standhaftigkeit, Wandlung und das tiefe Rückgrat, das auch durch Dunkles trägt. Verwurzelt und doch wandelbar – so darfst du heute deinem Weg vertrauen, selbst wenn er durch Schatten führt.
Name & Herkunft. „Eihwaz“ ist die Eibe – ein Baum, der uralt wird, immergruen bleibt und dessen Holz zugleich giftig und zaeh ist. Aus Eibenholz fertigte man die besten Boegen.
Im Runengedicht. Das altenglische Gedicht beschreibt die Eibe als aussen rauen, fest im Boden verwurzelten Baum, Hueter des Feuers, eine Freude auf dem Hof.
Historischer Gebrauch. Die Eibe galt als Baum zwischen Leben und Tod – immergruen und doch giftig. Manche sehen in ihr ein Sinnbild fuer Yggdrasil selbst. Eihwaz steht fuer Rueckgrat, Ausdauer und die Verbindung von oben und unten.
Wissenswertes. Eibenbogen waren ueber tausend Jahre die Hochleistungswaffe Europas – das Material hinter dieser Rune entschied Schlachten.
Deutung. Perthro ist der Losbecher, die Rune des Schicksals, des Geheimnisses und des verborgenen Glücks. Sie spricht vom Spiel der Möglichkeiten und davon, dass nicht alles in unserer Hand liegt. Bleib offen für Überraschungen – das Verborgene zeigt sich zur rechten Zeit.
Name & Herkunft. Die Bedeutung von „Perthro/Peorð“ ist bis heute umstritten. Am ueberzeugendsten ist die Deutung als Wuerfel- oder Losbecher – das Geraet des Spiels und der Schicksalsbefragung.
Im Runengedicht. Das altenglische Gedicht verbindet „peorð“ mit Spiel und Gelaechter in der Halle, wo froehliche Maenner beisammensitzen – ein Hinweis auf Wuerfelspiel und Zeitvertreib.
Historischer Gebrauch. Das Werfen von Losen und Staeben zur Befragung des Schicksals ist fuer die Germanen schon bei Tacitus bezeugt. Perthro ist die Rune des Verborgenen, des Loses, des Zufalls, der zugleich Schicksal ist.
Wissenswertes. Perthro ist die geheimnisvollste Rune des Futhark – schon weil niemand mehr ganz sicher sagen kann, was ihr Name urspruenglich bedeutete.
Deutung. Algiz ist der Schutz, das aufgerichtete Elchgeweih, die Rune der Bewahrung und des wachen Instinkts. Sie legt eine schützende Hand über dich und rät, auf dein Bauchgefühl zu hören. Heute darfst du dich geborgen wissen – und zugleich aufmerksam dafür sein, wo eine Grenze nötig ist.
Name & Herkunft. „Algiz/Elhaz“ wird meist als „Elch“ gedeutet, manchmal als Schutz oder als das scharfkantige Riedgras. Die nach oben gespreizte Form erinnert an eine abwehrende Hand oder ein Geweih.
Im Runengedicht. Das altenglische Gedicht spricht vom „eolh“-Riedgras, das im Sumpf waechst und jeden grausam verwundet, der danach greift – ein natuerlicher Schutz durch Wehrhaftigkeit.
Historischer Gebrauch. Algiz gilt als die klassische Schutzrune, ein Zeichen der Abwehr und des Bewahrens. Ihre Form taucht auch umgekehrt als „Todesrune“ in spaeteren Deutungen auf.
Wissenswertes. Die aufrechte Algiz-Form ist heute eines der bekanntesten Runenzeichen ueberhaupt – als Sinnbild fuer Schutz und Leben.
Deutung. Sowilo ist die Sonne, die siegreiche Rune des Erfolgs, der Lebenskraft und der Klarheit. Sie durchbricht den Nebel und zeigt das Ziel in Reichweite – Energie und Zuversicht stehen auf deiner Seite. Lass dein Licht heute leuchten; du hast die Kraft, dein Vorhaben zu vollenden.
Name & Herkunft. „Sowilo/Sól/Sigel“ ist die Sonne. Eine der wenigen durchweg positiv gedeuteten Runen – Licht, Sieg, Lebenskraft.
Im Runengedicht. Das altnordische Gedicht nennt die Sonne „das Licht der Welt“ und verneigt sich vor ihrem heiligen Schicksal. Das altenglische preist sie als Hoffnung der Seefahrer, die sie ueber die See trage, bis sie das Land erreichen.
Historischer Gebrauch. Fuer Seefahrer war die Sonne Orientierung und Rettung. Sowilo steht fuer Sieg, Klarheit und die ungebrochene Kraft des Lichts.
Wissenswertes. Wie wichtig die Sonne war, zeigt der bronzezeitliche „Sonnenwagen von Trundholm“ – die Verehrung des Sonnenlaufs reicht im Norden Jahrtausende zurueck.
Deutung. Tiwaz ist die Rune des Himmelsgottes Tyr, der seine Hand opferte, um den Fenriswolf zu binden. Sie steht für Mut, Ehre, Gerechtigkeit und den Sieg, der durch Rechtschaffenheit errungen wird. Wo es heute auf Aufrichtigkeit ankommt, gibt sie dir Standhaftigkeit – ein gegebenes Wort wiegt mehr als ein Vorteil.
Name & Herkunft. „Tiwaz“ ist die Rune des Gottes Tyr – des alten Himmels- und Kriegsgottes, der fuer Recht, Ordnung und Selbstopfer steht. Die Form gleicht einem nach oben weisenden Pfeil oder Speer.
Im Runengedicht. Das altnordische Gedicht nennt „Tyr“ den einhaendigen Asen und vergleicht ihn mit dem Leitstern, der seinen Stand am Himmel haelt, waehrend alles um ihn kreist – Sinnbild der Verlaesslichkeit.
Historischer Gebrauch. Tyr opferte seine rechte Hand, damit die Goetter den Wolf Fenrir fesseln konnten – Gerechtigkeit, die etwas kostet. Tiwaz wurde auf Waffen geritzt, um Sieg und ein gerechtes Urteil zu erbitten.
Wissenswertes. Der „Dienstag“ traegt seinen Namen: englisch „Tuesday“, von Tiw/Tyr – wie der Donnerstag von Thor und der Mittwoch von Wodan.
Deutung. Berkano ist die Birke, die Rune des Neubeginns, der Fruchtbarkeit und der schützenden Fürsorge. Sie kündigt Wachstum an – einen Anfang, ein Heilen, ein behütetes Werden. Pflege heute, was zart begonnen hat, mit Geduld und Sanftheit, dann wird es kräftig gedeihen.
Name & Herkunft. „Berkano/Bjarkan“ ist die Birke – der erste Baum, der nach dem Winter ausschlaegt. Rune des Wachstums, der Fruchtbarkeit und des Neubeginns.
Im Runengedicht. Das altnordische Gedicht beschreibt die Birke als gruenenden Zweig, den kleinsten Baum mit den feinsten Blaettern. Das altenglische lobt sie als schoenen, dicht belaubten Baum.
Historischer Gebrauch. Die Birke war Sinnbild des Fruehlings und der weiblichen, naehrenden Kraft. In Bruechen und auf jungem Boden ist sie oft der erste Baum – Pionier des neuen Lebens.
Wissenswertes. Birkenrinde diente im Norden als Schreibmaterial: Auf ihr sind sogar mittelalterliche Runen- und Alltagsbriefe erhalten geblieben.
Deutung. Ehwaz ist das Pferd, die Rune des Vertrauens, der treuen Partnerschaft und des stetigen Fortschritts. Wie Ross und Reiter im Einklang spricht sie vom Zusammenwirken, das beide weiterbringt. Heute zählt das Miteinander – im Vertrauen kommt ihr gemeinsam schneller voran.
Name & Herkunft. „Ehwaz“ ist das Pferd, das Ross – verwandt mit dem lateinischen „equus“. Die Rune steht fuer Partnerschaft, Vertrauen und das eingespielte Zusammenwirken von Reiter und Tier.
Im Runengedicht. Das altenglische Gedicht preist das Pferd als Stolz der Edlen, von Helden hochgeschaetzt, ein Trost den Ruhelosen – ein treuer Gefaehrte, der nie still steht.
Historischer Gebrauch. Pferde waren heilig: Weisse Hengste wurden fuer Orakel gehalten, und in Schiffsgraebern wie Oseberg fand man geopferte Pferde. Ehwaz verkoerpert das Band zwischen Mensch und Tier.
Wissenswertes. Odins achtbeiniges Ross Sleipnir ist das beruehmteste Pferd der Mythologie – Ehwaz traegt etwas von diesem Zauber des Reittiers in sich.
Deutung. Mannaz ist der Mensch, die Rune des Selbst, der Vernunft und der Gemeinschaft. Sie ruft dich, dich selbst zu erkennen und zugleich deinen Platz unter den Menschen zu achten. Wahre Größe zeigt sich im Maß – kenne dich, und sei den Deinen ein verlässliches Gegenüber.
Name & Herkunft. „Mannaz“ ist der Mensch – verwandt mit dem deutschen „Mann“ und dem englischen „man“. Die Rune steht fuer das Selbst, die Gemeinschaft und die Stellung des Menschen in der Welt.
Im Runengedicht. Das altnordische Gedicht sagt nuechtern: „Der Mensch ist die Freude des Menschen“ – und zugleich „Mehrung der Erde“. Das altenglische betont, wie jeder dem anderen lieb ist und doch jeder einmal die Erde verlassen muss.
Historischer Gebrauch. Der Mensch wird hier nicht als Einzelner gedacht, sondern als Teil der Sippe. Mannaz erinnert daran, dass wir uns erst in der Gemeinschaft erkennen.
Wissenswertes. Der Gedanke „der Mensch ist des Menschen Freude“ findet sich fast wortgleich in der Havamal (Strophe 47) – Geselligkeit als hoechstes Gut.
Deutung. Laguz ist das Wasser, der See, die Rune der Intuition und des Lebensflusses. Sie lädt ein, der inneren Strömung zu folgen und dem Unbewussten zu lauschen, statt gegen den Strom zu kämpfen. Lass dich heute von deinem Gefühl leiten – das Wasser findet seinen Weg von selbst.
Name & Herkunft. „Laguz/Lögr“ ist das Wasser, der See, die Flut. Rune des Fliessenden, des Unbewussten, der Intuition.
Im Runengedicht. Das altenglische Gedicht beschreibt das Wasser als endlos den Menschen erscheinend, wenn sie sich auf schwankendem Schiff hinauswagen und die Meereswogen sie schrecken.
Historischer Gebrauch. Das Meer war fuer die Wikinger Lebensader und Bedrohung zugleich – Strasse zu Reichtum und Grab vieler Seefahrer. Laguz steht fuer diese unberechenbare, traegende Kraft.
Wissenswertes. Wasser war heilig: Quellen und Brunnen galten als Orte der Weisheit – man denke an Mimirs Brunnen unter Yggdrasil.
Deutung. Ingwaz ist die Rune des Gottes Ing, Sinnbild der Reife, der Vollendung und der gesammelten Kraft, die freigesetzt wird. Wie ein Same, der lange ruht und dann aufgeht, spricht sie vom Abschluss eines Vorhabens. Was lange gewachsen ist, darf nun Frucht tragen – ruhe in dieser Vollendung.
Name & Herkunft. „Ingwaz“ ist die Rune des Gottes Ing (Yngvi-Freyr), des Fruchtbarkeitsgottes und Ahnvaters. Sie steht fuer reifende Kraft, Sammlung und gluecklichen Abschluss.
Im Runengedicht. Das altenglische Gedicht erzaehlt, wie „Ing“ zuerst bei den Ostdaenen gesehen wurde, dann ostwaerts ueber die Wellen zog – sein Wagen rollte ihm nach. So benannten ihn die kuehnen Krieger.
Historischer Gebrauch. Ing/Freyr stand fuer Frieden, gute Ernte und Fruchtbarkeit; das schwedische Koenigsgeschlecht der Ynglinge leitete seinen Namen von ihm ab. Ingwaz ist die Rune der gespeicherten, reifenden Energie.
Wissenswertes. Die geschlossene, rautenfoermige Gestalt der Rune wirkt wie ein Same oder ein umfriedeter Acker – Kraft, die sich sammelt, bevor sie hervorbricht.
Deutung. Dagaz ist der Tag, das Morgenlicht zwischen Nacht und Tag, die Rune des Durchbruchs, des Erwachens und der Hoffnung. Sie verheißt, dass aus Dunkel Licht wird – ein Wandel zum Guten, ein klarer Augenblick der Einsicht. Heute öffnet sich eine Tür; tritt mit Zuversicht hindurch.
Name & Herkunft. „Dagaz“ ist der Tag, das Tageslicht – verwandt mit dem deutschen „Tag“. Rune des Durchbruchs, der Wende vom Dunkel zum Licht.
Im Runengedicht. Das altenglische Gedicht preist den Tag als Sendung des Herrn, lieb den Menschen, herrliches Licht, Freude und Hoffnung fuer Reiche und Arme, nuetzlich allen.
Historischer Gebrauch. Der Wechsel von Nacht und Tag, von Daemmerung zu Morgen, war ein Grunderlebnis – Dagaz markiert genau diesen Moment der Wende, in dem sich alles klaert.
Wissenswertes. Manche Runenreihen stellen Dagaz an den Schluss des Futhark – als hoffnungsvollen Abschluss: nach allem Dunkel der neue Tag.
Deutung. Othala ist das Erbe und der Hof, die Rune der Heimat, der Herkunft und der überlieferten Werte. Sie erinnert an das, was bleibt und trägt: Familie, Wurzeln und das, was man weitergibt. Besinne dich heute auf dein Fundament – aus ihm schöpfst du Halt und Sinn.
Name & Herkunft. „Othala/Óðal“ ist das Erbgut, der angestammte Besitz, die Heimat. Verwandt mit dem deutschen „Adel“ (urspruenglich: Erbbesitz, edle Abkunft).
Im Runengedicht. Das altenglische Gedicht sagt: Das Heim (der ererbte Grund) ist jedem Menschen lieb, wenn er dort in Rechtschaffenheit geniessen kann, was Brauch und Bestand hat.
Historischer Gebrauch. Othala steht fuer Heimat, Familie und das, was ueber Generationen weitergegeben wird – Grund und Boden ebenso wie Werte und Erinnerung. Als letzte Rune des Futhark schliesst sie den Kreis: vom beweglichen Besitz (Fehu) zum bleibenden Erbe.
Wissenswertes. Vom Anfang zum Ende spannt sich ein Bogen: Fehu ist das Vieh, das man erwirbt – Othala das Erbe, das man weitergibt. Reichtum, der bleibt, ist der, den man hinterlaesst.
Die Runen waren in erster Linie eine Schrift. Heutige Deutungen stützen sich auf die Runengedichte und moderne Praxis. © Glanz & Gravur.