Ostgermanen

Die Völker, die aus dem Weichselraum aufbrachen und Reiche von Spanien bis Italien gründeten.

Stammbaum

Keine Gruppe wanderte weiter als die Ostgermanen. Aus dem Raum zwischen Oder und Weichsel zogen sie zum Schwarzen Meer und von dort, vom Hunnensturm getrieben, quer durch das zerfallende Römische Reich – bis nach Spanien, Italien und Nordafrika. Ihre Reiche waren glanzvoll und kurzlebig.

Heerzug bei Nacht
Aufbruch und Wanderung: die Ostgermanen gründeten Reiche – und verschwanden mit ihnen wieder.

Goten – West- und Ostgoten

Weichsel → Schwarzes Meer → Hispanien / Italien · 3.–8. Jh.

Die Westgoten plünderten 410 unter Alarich Rom, gründeten ein Reich mit Hauptstadt Toledo und fielen 711 an die Umayyaden. Die Ostgoten unter Theoderich dem Großen beherrschten Italien von Ravenna aus (493–526) – das „römischste“ Germanenreich.

Vandalen

Oder-Raum → Nordafrika · 5.–6. Jh.

Überschritten 406 den Rhein, zogen durch Gallien und Spanien und gründeten unter Geiserich ein Seereich um Karthago. 455 plünderten sie Rom; 534 wurden sie von Belisar vernichtet.

Burgunder

Mittlerer Rhein (Worms) → Savoyen · 5.–6. Jh.

Ihr Rheinreich unter König Gundahar wurde um 436 mit hunnischen Söldnern zerschlagen – der historische Kern des Nibelungenlieds. Der Name lebt in „Burgund“ fort.

Gepiden, Rugier, Heruler

Karpatenbecken / Donauraum · 3.–6. Jh.

Nahe Verwandte der Goten. Die Gepiden führten 454 die Revolte an, die die Hunnenmacht bei Nedao brach. Rugier und Heruler waren gefürchtete Krieger und Söldner; ihre Reiche zerfielen im 6. Jahrhundert.

Bastarnen

Östlich der Karpaten · ab 179 v. Chr.

Ein frühes Wandervolk am Schwarzen Meer. Ob germanisch oder keltisch, ist echt umstritten – schon Tacitus war sich unsicher.

Beleg: Das Gotische ist die einzige gut bezeugte ostgermanische Sprache – dank der Bibelübersetzung des Bischofs Wulfila (um 350–380). Sie ist zugleich der älteste umfangreiche Text in einer germanischen Sprache überhaupt. Auf der Krim hielt sich ein gotischer Dialekt vereinzelt bis ins 16. Jahrhundert.
Mythos: Die Herkunft „aus Skandinavien“ (Insel Scandza), die der Gote Jordanes erzählt, wird heute zurückhaltend bewertet – sie ist eher Ursprungssage als belegte Geschichte. Vom heidnischen Glauben der Ostgermanen wissen wir wenig; früh wurden sie arianische Christen.
Schieferplatte Ahnenreihe
Nordische Götter und Helden, lasergraviert auf Schiefer. Im Shop ansehen →

Funde & Orte

Die wandernden Goten, Vandalen und Burgunder hinterließen vor allem prächtigen Goldschmuck. Aus dem spanischen Westgotenreich stammen die berühmten Adlerfibeln – Gewandspangen in Adlerform, dicht mit Granat und farbigem Glas besetzt. Noch geheimnisvoller ist der Schatz von Pietroassa in Rumänien mit einem goldenen Halsring (um 400), der die als gotisch geltende Runeninschrift gutaniowi hailag trägt.

Westgotische Adlerfibel mit Granateinlagen
Westgotische Adlerfibel mit Granat- und Glaseinlagen (6. Jh.), Walters Art Museum. Foto: gemeinfrei (Walters Art Museum).
Vorsicht/Mythos: Der Pietroassa-Ring wurde 1875 gestohlen und zerschnitten; die siebte Rune ist seither zerstört, ihre Lesung beruht auf alten Zeichnungen.

← Zurück zum Stammbaum Bibliothek